Angefangen mit einer 5-Kilo-Trommel und zu viel Optimismus
Wie aus einem Hinterhof in der Kastanienallee eine Rösterei mit sieben Partnerfarmen wurde — und warum wir bis heute jede Charge von Hand protokollieren.
Erst der Kaffee, dann das Café
Röstlust ist rückwärts entstanden. Zuerst war die Rösterei da: Jonas Reinhardt hatte 2017 eine gebrauchte 5-Kilo-Trommelröstmaschine aus einer aufgelösten Bäckerei in Brandenburg gekauft und sie in einem Hinterhofraum in der Kastanienallee aufgestellt, der eigentlich als Fahrradwerkstatt gedacht war. Ein Jahr lang belieferte er von dort aus vier Berliner Cafés — und stand jeden zweiten Abend allein zwischen Jutesäcken, um Röstkurven auf kariertem Papier nachzuzeichnen.
Das Problem war schnell klar: Wer nur röstet, bekommt kaum Rückmeldung. Man erfährt nie, ob der Kaffee, den man am Dienstag entwickelt hat, am Freitag in der Tasse wirklich funktioniert. Also mietete Jonas im Sommer 2018 den leerstehenden Laden im Vorderhaus dazu, holte Lea Okonkwo als Café-Leitung an Bord und öffnete im Oktober 2018 mit acht Tischen, einer geliehenen Espressomaschine und einer Tafel, auf der drei Sorten standen.
Heute stehen 14 Tische im Gastraum, die Röstmaschine fasst 12 Kilo, und die Tafel wird immer noch von Hand beschrieben. Was sich nicht geändert hat: Röstung und Ausschank sind 30 Meter voneinander entfernt. Jede Charge, die im Hinterhof entsteht, wird vorne getrunken — und jede Beschwerde landet innerhalb einer Stunde bei der Person, die geröstet hat. Das ist unbequem und genau deshalb behalten wir es bei.
Vier Überzeugungen, an denen wir uns messen lassen
Wir haben keine Mission auf der Wand stehen. Aber es gibt vier Dinge, bei denen wir konsequent bleiben, auch wenn sie uns Geld oder Bequemlichkeit kosten.
Frische statt Vorrat
Kein Kaffee verlässt unser Regal, der älter als 28 Tage ist. Was übrig bleibt, wird zum Personalkaffee oder geht als Cold Brew in die Küche — verkauft wird er nicht.
Herkunft mit Namen
Auf jeder Tüte steht die Farm, nicht nur das Land. „Kolumbien" ist keine Herkunftsangabe, sondern eine Landkarte mit 600.000 Kaffeebetrieben.
Helle Röstung ist kein Selbstzweck
Wir rösten so hell wie sinnvoll und so dunkel wie nötig. Ein Espresso, der in Milch verschwindet, braucht mehr Karamell als ein Handfilter — das ist kein Verrat, sondern Handwerk.
Erklären, nicht belehren
Wer einen Cappuccino mit Sirup will, bekommt ihn ohne Kommentar. Wer wissen will, warum der Filter heute nach Pfirsich schmeckt, bekommt fünf Minuten und einen Probeschluck.
Was „direkt" bei uns konkret heißt
Direct Trade ist kein geschützter Begriff — jeder darf ihn auf eine Tüte drucken. Deshalb sagen wir lieber, was wir tatsächlich tun. Wir kaufen von sieben Betrieben: zwei Waschstationen in Äthiopien, drei Familienfarmen in Huila und Nariño in Kolumbien, einer Kooperative im brasilianischen Cerrado Mineiro und einer Washing Station im ruandischen Nyamasheke. Fünf dieser sieben Partner beliefern uns seit mindestens drei Ernten in Folge.
Der Preis wird vor der Ernte verhandelt und nicht an die Börse gekoppelt. Im letzten Erntejahr lagen wir im Durchschnitt 82 % über dem C-Preis, bei der äthiopischen Konga-Partie sogar mehr als doppelt so hoch. Wir zahlen 50 % bei Vertragsabschluss, damit die Farmen die Pflücksaison vorfinanzieren können, und den Rest bei Verschiffung.
Zweimal im Jahr fährt jemand von uns hin — nicht für Fotos, sondern um Parzellen, Fermentationszeiten und Trocknungsbetten anzuschauen und zu besprechen, was in der letzten Charge nicht funktioniert hat. 2024 war Jonas in Huila, 2025 Mert in Nyamasheke. Die Reisen bezahlen wir aus dem Kaffeeumsatz, nicht aus dem Marketingbudget.
Und wir legen offen, was wir zahlen: In unserem Transparenzblatt, das jedes Frühjahr im Café aushängt und am Regal ausliegt, steht für jede Partie der Einkaufspreis pro Kilo Rohkaffee, die Menge und der Anteil, der an die Farm ging. Nicht weil das schön aussieht, sondern weil ein Versprechen ohne Zahl kein Versprechen ist.
Hinweis zur Demo: Alle Zahlen, Farmnamen und Preise auf dieser Seite sind beispielhaft erfunden und dienen der Veranschaulichung einer möglichen Website-Struktur. Diese Seite wurde von TEAM Gold LLC als Präsentationsbeispiel erstellt.
Wenn eine Sorte von der Tafel verschwindet, ist sie nicht ausverkauft — dann ist die Ernte einfach zu Ende.Lea Okonkwo · Café-Leitung
Sieben Jahre in vier Momenten
Der Laden im Vorderhaus öffnet
Im Oktober 2018 schenken wir zum ersten Mal aus: acht Tische, eine geliehene Zweigruppen-Maschine, drei Sorten auf der Tafel. Am ersten Samstag verkaufen wir 96 Tassen und sind restlos begeistert. Heute sind 96 Tassen ein normaler Vormittag.
Vom Fenster aus weiter
Während der Schließzeiten verkaufen wir aus dem Fenster zur Kastanienallee — und starten das Bohnen-Abo, weil plötzlich alle zu Hause Kaffee kochen. Aus der Notlösung werden 340 laufende Abonnements, die uns bis heute tragen.
Die 12-Kilo-Trommel kommt
Die alte 5-Kilo-Maschine schafft die Mengen nicht mehr. Im Februar 2022 wird über zwei Tage die neue Trommel in den Hinterhof gehievt, inklusive Nachbrenner. Seitdem rösten wir nur noch dienstags und donnerstags — und haben mittwochs endlich Zeit zum Cuppen.
Eigene Konditorei im Haus
Sophie Brandt übernimmt die Kuchenproduktion, die vorher zugekauft war. Seither entstehen alle Kuchen, das Granola und die Sauerteig-Basis in unserer eigenen Backküche im Souterrain — mit fünf festen Sorten und zwei, die wöchentlich wechseln.
Kommen Sie einfach vorbei
Die schnellste Art, uns kennenzulernen: ein Filterkaffee an der Theke und die Frage, was heute in der Kanne ist. Wir erzählen gern.
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